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 Rituale - Wie wichtig sind sie?

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Linda



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BeitragThema: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Mo 21 Jun 2010 - 9:56



" Ein Ritual ist in der Zeit das, was im Raum eine Wohnung ist. "

(Antoine de Saint-Exupéry)




Für den einen sind Rituale eine lästige freiheitsbeschneidende Angewohnheit. Für den anderen bedeuten sie Sicherheit und Halt in hektischen und unruhigen Zeiten.

Ob es sich um die gemeinsame Mahlzeit in der Familie handelt, das Gute-Nachtgeschichten-Lesen vor dem Schlafengehen oder die tägliche Tagesschau pünktlich um 20:00 Uhr.


Rituale sind positiv, wenn sie stark sind und Halt und Geborgenheit geben.

Aber dürfen sie wirklich nie unterbrochen oder abgewandelt werden? Gerät unsere persönliche kleine Welt dann aus den Fugen?
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Compumouse
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Mo 21 Jun 2010 - 20:30

Linda Smiley_Rose , hierauf werde ich dir noch antworten. Nur heute habe ich keinen Kopf dafür.

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Harrybo



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Mo 21 Jun 2010 - 22:29

Spontan fällt mir eins ein:
Rituale sind ein Segen für die Menschheit. Sie ersparen das Denken.
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Compumouse
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 4:50

Harrybo, ich glaube nicht, dass Rituale etwas mit mangelndem Denken zu tun hat. Unser Leben ist doch voll von Ritualen. Weihnachten läuft nach einem Ritual ab, Konfirmation oder Kommunion sind ein Ritual, genauso wie Hochzeiten oder Beerdigungen.

Rituale finde ich besonders wichtig, wenn man noch kleine Kinder hat. So hatten wir mit unserer Tochter immer das gleiche Ritual, wenn Schlafenszeit war. Ich denke Kinder brauchen Rituale.

Es gibt aber auch ganz andere Rituale: Unsere Serviceabteilung bestellt sich jeden Freitag zum Frühstück Leberkässemmeln. Auch das ist ein Ritual – damit läuten sie das Wochenende ein.

Ich finde schon, dass Rituale auch unterbrochen, geändert oder abgeschafft werden dürfen. Mir fällt jetzt spontan kein Ritual ein, das ich besonders pflege. Außer, man sieht es als Ritual an, dass ich morgens in die Group schaue und meinen Kaffee vor dem PC trinke. Na ja und eben die üblichen Rituale wie Weihnachten, etc.

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piece



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 6:06

zwinkern Rituale sind wichtig um dem Tag einen Struktur zu geben....geht Struktur verloren werden wir völlig chaotisch.
Daher beginnt man schon damit im Kindesalter...es ordnet und bringt einen durch den Tag.
Der eine benötigt Viele , der andere nur Wenige um seine Struktur zu finden....
Natürlich dürfen, sollen und können Rituale verändert werden....sie sind ja dem jeweiligen Lebensabschnitt angepasst...

Es gibt ja die Steigerungen, wenn Rituale zum Zwang werden ....wie bei Zwangserkrankten, die dann 3 Stunden duschen..alles so und soviel oft machen müssen...etc...
Wie halt alles im Leben, es gibt zwei bis drei Seiten;-)..... zwinkern
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digame



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 10:55

Wir alle brauchen einen geordneten Tagesablauf, einen Wochenplan und eine Vorschau für's ganze Jahr ... einen Terminplaner ... einen Rahmen; ein Gerippe, das wir mit Fleisch füllen; ein Geländer, an dem wir uns entlanghangeln können - der eine mehr, der andere weniger.

Was wären wir ohne unsere lieben Gewohnheiten (Rituale)? In zuviel Freiheit würden wir uns verlieren und ins Schwimmen kommen.

"Geregelte" Essenszeiten können Teil eines solchen Rahmens sein. Ich kenne Männer, die unausstehlich werden, wenn die Frau das Mittagessen nicht stets pünktlich zur gleichen Zeit auf den Tisch bringt.

An liebgewonnenen Gewohnheiten können Beziehungen aber auch langjährige Ehen scheitern. Wir alle kennen das Beispiel der schlecht ausgedrückten Zahnpastatube. Der eine drückt nur kurz vorne drauf und die andere quetscht sie von hinten so lange, bis sie ganz platt ist (die Zahnpastatube) - oder umgekehrt. Ein "Problem", das ganz leicht aus der Welt zu schaffen wäre: jedem seine eigene Tube. Andere liebe Gewohnheiten unseres Partners wiederum bringen uns nur zum Schmunzeln.

Bei Menschen, die sich ihr ganzes Leben von einem Terminkalender führen und leiten ließen, kann das krankhaft werden, wenn sie sich zur Ruhe gesetzt haben. Ihr Terminkalender ist rappelvoll - voller denn je. Ihnen bleibt kaum mehr die Luft zum Atmen. Sie haben sich ihren Freiheitsspielraum auf nahe Null reduziert.

Möglicherweise fehlt es ihnen an innerem (Er)leben ... oder sie haben Probleme, allein mit sich selbst zu sein.
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 12:34

Die festen Gewohnheiten haben mit Intelligenz und
Klugheit nun wirklich nichts zu tun.
Menschen haben unterschiedliche feste Gewohnheiten
aber irgendwelche hat wohl jeder.

Rituale sind eine Art Korsett, das Korsett gibt einen gewissen
Halt aber wenn es zu fest und zu eng ist, verschafft es
Unbehagen, man fühlt sich eingezwängt, bekommt keine
Luft.

Wenn Rituale nicht aus einem Anlaß heraus unterbrochen werden
können mutieren sie zum Zwang.

Ich trinke z.B. gerne um halb drei Kaffee, es kann auch drei
werden und wenn ich einen Termin oder eine Verabredung
hätte fiele das Kaffeetrinken ohne weiteres aus und so geht
es mir mit allen Ritualen.

Rituale können auch Verlegenheitspausen überbrücken, bei
mir zuhause war es eine feste Gewohnheit dass der Kaffee
fertig war wenn Gäste kamen, Gäste müssen sich ja oft erst
einfinden, sich wie zuhause fühlen und der Vorgang des
gemeinsamen Kaffeetrinkens erleichtert das. Ich empfinde
es immer sehr unschön wenn Kaffee oder Tee noch nicht
bereit sind wenn ich einen Besuch mache, irgendwie fehlt
es dass das Zusammensein durch das Kaffeetrinken eingeläutet wird.
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Compumouse
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 13:01

Ich überlege, ob man Rituale wirklich mit Gewohnheiten gleichsetzen kann?
Wenn dem so wäre, dann würde ich etliche Rituale pflegen.
Aber ich denke, dass es zwischen Ritualen und Gewohnheiten schon noch einen Unterschied gibt.

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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Di 22 Jun 2010 - 15:51

Ritual, Zeremonie, Gewohnheitshandlung, die Grenzen dürften fließend sein und je nach persönlicher Ansicht interpretiert werden. Für mich z.B. läuten bei dem Wort Ritual immer die Kirchenglocken und ein leiser Mief von Menschenopfern trübt meine Sinne. Zeremonien wiederum gaukeln mir die Hofetikette von Ludwig dem XIV. vor. Gewohnheiten sind für mich am ehesten ein Gegenwartssymbol; mit dem ich mich lächelnd auseinandersetzen kann.
Mir ist jedenfalls noch niemand begegnet, der nicht seine ganz persönliche kleine Macke, sprich Gewohnheit hat. Und auch hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wo er die kleinen Macken seiner Mitmenschen, zwischen groben Unfug bis sehr gute Angewohnheit, einordnet. Interessant finde ich immer die eingeschliffenen Rituale zwischen Partnern. Z.B.:Sobald er auf eine Frage antwortet, bzw. zum Antworten die Lippen öffnet und einen kleinen Verlegenheitsräusper herauswürgt, steht ihr Mundwerk bereits sperrangelweit offen und ungefragt antwortet sie für ihren Ehegesponst. Oder beide verabschieden sich (meist mehrmals, hihi) und an der Tür beginnt die eigentliche Gesprächsoffensive und die ureigensten Probleme kommen statt auf den Tisch ans Haustürblatt. Wie schon gesagt, die eigenen Rituale sind immer okay. Pfeif
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helpless Brumm



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Mi 23 Jun 2010 - 8:26

korsett fuer das individuum, solange es frei (bewusst oder nicht) entscheiden kann.
gerade die "schwaechsten" ( kinder, kranke, alte) brauchen diese "haltestangen".

wer braucht sie noch? jawoll, alle "herrschaftssysteme". alle ideologien, religionen, regierungen. und das, seit der erste schamane seinem stamm diverse riten (!) aufdrueckte.

mein hauptritual? meine faulheit pflegen. :gitarre:
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Linda



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Do 24 Jun 2010 - 7:20

Rituale erleichtern die Aufgaben und Pflichten, die jeder in einer Familie tragen muss. Wie in allen sozialen Bereichen braucht es eine bestimmte Ordnung, damit alles funktioniert. Spannungen und Reibereien wird es immer geben, und gerade hier helfen feste Strukturen wieder Ruhe hinein zu bringen. Fest aber nicht starr müssen sie sein, Raum für Abwandlungen und kleine Veränderungen müssen sie lassen. Sonst werden sie zur Kette und zum Käfig.

Liebgewordene Gewohnheiten können auch zu einem Ritual werden. Was empfindet man, wenn man dieses Ritual einmal unfreiwillig unterbrechen muss?

Grete hat Rituale als eine Art Korsett bezeichnet. Ein Korsett ist aber fest verschlossen und kaum dehnbar (gerade dieser Effekt soll ja ausgeschlossen werden). Dies wäre also eine negative Form eines Rituals.

Ich sehe ritualisierte Handlungen auch eher als Leitfaden, als Haltestange oder Rettungsleine.
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Gast
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Do 24 Jun 2010 - 18:26

Ich habe ja keine persönliche Erfahrung mit Korsetts,
aber ich dachte immer das ideale Korsett stützt und gibt
nach, paßt sich dem Körper an. An die Korsetts der Damen
früherer Zeiten dachte ich nicht. Ideae

Und noch eine Bitte in eigener Sache: wenn es geht nicht
den Nicknamen Grete verwenden, er ist mir verhaßt, das war
keine gute Idee damals. hello
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digame



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Fr 25 Jun 2010 - 12:21

Vollständigkeitshalber auch noch die Meinung von wikifehlia dazu ...

Ein Ritual (von lateinisch ritus, rita ... ) ... Indem Rituale auf vorgefertigte Handlungsabläufe und altbekannte Symbole zurückgreifen, vermitteln sie Halt und Orientierung. Das Ritual vereinfacht die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen, indem es „durch Repetition hochaufgeladene, krisenhafte Ereignisse in routinierte Abläufe überführt“. Auf diese Weise erleichtern Rituale den Umgang mit der Welt, das Treffen von Entscheidungen und die Kommunikation.

Berühmte Riten: (Italienische Form von Margarete bzw. Kurzform von Margherita, bedeutet: die Perle.)

Rita Hayworth (1918–1987), US-amerikanische Schauspielerin
Rita Süssmuth (* 1937), deutsche Politikerin
Hurrikan Rita, Hurrikan
Ritas Welt, eine deutsche Fernsehserie
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Linda



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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Sa 26 Jun 2010 - 7:54

Ritualisierte Handlungen und Zwangsneurosen sind nicht ein und dassselbe. Hier muss man unterscheiden!
Während das eine abwandelbar bleibt oder notfalls auch mal ganz ausfallen kann, ohne große spürbare Konsequenzen, kommt ein Zwangsneurotiker bei Unterbrechung oder Störung seiner immer wieder völlig gleich ablaufenden Gewohnheitshandlung in allergrößte Not. Sein inneres Gleichgewicht gerät völlig durcheinander.
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Gast
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BeitragThema: Re: Rituale - Wie wichtig sind sie?   Sa 26 Jun 2010 - 9:05

Nicht nur der Zwangsneurotiker gerät durcheinander, sondern
auch Menschen mit des autistischen Formenkreises.
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