Zeremonien und Rituale begleiten jedermann (und auch viele Frauen) ein Leben lang und geben Halt und Gefüge ... oder vermitteln zumindest Andacht und regen zur Meditation an. Das umschließt sowohl traurige als auch lustvolle Anlässe.
Die orientalische Teezeremonie wird vielerorts noch regelrecht zelebriert. Sie darf nur von Männern ausgeführt werden. Für das Erhitzen des Wassers, das (mehrmalige) Überbrühen des Tees und das Umfüllen und Mischen werden wertvolle Gefäße verwendet - meist in Verbindung mit einem silbernen Samowar, der noch mit Holzkohle befeuert wird.
Die Großfamilie genießt diese Prozedur in andächtigem Schweigen. Oft handelt es sich aber auch um reine Männerrunden.
Ein Begräbnis ist i.d.R. ebenfalls ritualisiert. Begräbnisanstalten - auch Bestattunsinstitute genannt - befreien die Angehörigen des Verstorbenen weitgehend von lästigen Formalien und sorgen für den richtigen Rahmen, damit diese (die engsten Angehörigen) sich besser auf die Trauerarbeit konzentrieren können.
Bei eingespielten, langjährig vertrauten Paaren wird auch das Liebemachen in einen feierlichen Rahmen eingebunden. Die Partner gehen schon Stunden vorher besonders liebevoll miteinander um und schauen sich immer wieder tief in die Augen. Um die Vorfreude und die erotische Spannung zu erhöhen, wird oft noch ein Dinner bei Kerzenlicht, verbrämt mit Tischschmuck und einer Flasche Rotwein, eingeschoben, bevor es zu intimen Handlungen kommt.
Die katholische Liturgie strotzt nur so vor prachtvollen Messen u.ä. mit farbenfrohen Gewändern der Priester und Meßdiener. Orgelspiel und harziger Weihrauchduft tun das ihrige dazu, um die Gemeinschaft der Gläubigen auf ihren Gott zu konzentrieren.
Ein "schlichter" gotischer Dom mit alten bunten Bleiglasfenstern und Eichegestühl, das Jahrhunderte überdauert hat, macht allein schon andächtig.
Auch das Tierreich ist voller Rituale. Betrachten wir nur das Balzverhalten in der Brunftzeit - beispielsweise das Spreizen der Schwanzfedern bei den Pfauenmännchen (Radschlagen).