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| | | habt ihr darüber mal nachgedacht?... | |
| | Autor | Nachricht |
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michi

 Anzahl der Beiträge: 23 Alter: 59 Ort: Berlin Anmeldedatum: 04.12.09
 | Thema: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 0:41 | |
| hallo ihr vor ein paar jahren, meine tochter ging noch aufs gymnasium, wurde ich von ihr gefragt ,,sag mal papa wie war eigentlich deine jugend damals in der ddr''? bischen erstaunt war ich schon, war dieses thema bisher nicht sonderlich interessant gewesen für meine beiden sprösslinge. woher kam nur dieses plötzliche interesse? ihr lehrer hatte diese idee gehabt um gruppen von schülern aus ost und west in der klasse einander näher zu bringen. er war der meinung über persönliche erfahrungen der ,,vorfahren'' seiner schüler mehr interesse entfachen zu können . denn was sind trockene fakten und jahreszahlen aus einem geschichtsbuch gegen geschichten und anekdoten von zeitzeugen... fand ich nicht schlecht diese idee und nach einiger zeit meine tochter ebenso. dabei fiel mir ein...mensch du bist jetzt grossvater und warum schreibst du nicht mal über deine jugend. was die halbstars unserer gesellschaft schon in jungen jahren machen kannst du doch auch. und so setzte ich mich hin und begann zu schreiben... ja gut, ich bin kein schriftsteller aber erzählen kann wohl beinahe jeder. und mit jedem satz den ich schrieb begann auch meine eigene neugierde...wie war das noch...wer könnte darüber noch etwas wissen...freunde und bekannte mussten auskunft geben und staunten selber nicht schlecht... was haltet ihr eigentlich davon? wäre das nicht auch was für uns? denn was wissen wir eigentlich voneinander? der bayer über den mecklenburger...der schwabe über den sachsen... langsam kommen wir in die jahre über unser leben nachzudenken...zurückzuschauen. lasst uns doch ein wenig darüber schreiben! ich bin gespannt! gruss michi bitte entschuldigt meine kleinschreibung und interpunkion.angesichts meiner augen eine kleine erleichterung |
|  | | Compumouse Admin


 Anzahl der Beiträge: 20493 Alter: 55 Ort: Bayern Anmeldedatum: 15.11.08
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 4:29 | |
| Michi, das finde ich ein sehr spannendes Thema. So spannend, dass ich es aus der Rubrik 'Gedichte' hierher verschoben habe.
Ich hatte irgendwann mal erzählt, dass ich von meiner Tochter zu Weihnachten 2009 ein Buch zum Ausfüllen bekam. Das Buch heißt "Mama... erzähl mal...". In dem Buch sind schon einige Punkte vorgegeben, so dass es vielleicht leichter fällt sich zu erinnern. Leider habe ich bis heute erst eine Seite ausgefüllt. Aber ich denke, so etwas ist für unsere Kinder schon interessant wie es in unserer Jugend war etc.
Es muss ja auch nicht unbedingt ein Büchlein sein. Ebenso kann man die Geschichte seines Lebens aufschreiben, wie Michi das tut.
Ich fand es immer ausgesprochen spannend, wenn mein Schwiegervater Geschichten aus seiner Jugend und aus dem Krieg erzählte. Einfach weil es eine Zeit war, die wir (zum Glück) nicht erlebt haben und weil wir uns manches einfach nicht vorstellen können. Genauso geht es mir mit der ehemaligen DDR. Vieles kennt man einfach nur aus dem TV und unsere Nachkommen können sich noch weniger darunter vorstellen. Es ist ein Stück Geschichte und auch wenn wir inzwischen richtig zusammengewachsen sind, bin ich daran interessiert wie die Menschen dort gelebt haben. _________________ Liebe Grüße Compumouse |
|  | | piece

 Anzahl der Beiträge: 5444 Alter: 48 Ort: NDS Anmeldedatum: 29.12.08
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 5:23 | |
| Da kann ich mich Mouse nur genauso anschließen. Ich selber bin sehr geprägt durch die DDR , zwar nicht als Bewohnerin- immerhin lebe ich ja quasi im ehemaligen Zonenrandgebiet-, aber meine Großmutter war als einzige ihrer Familie in den Westen "rübbergemacht" und meine ganze Kindheit war, vor allem in der Vorweihnachtszeit ,geprägt von vielen, vielen Päckchen die wir für die Verwandten gepackt haben und Besuchen der berenteten Verwandschaft die oft Wochen bei usn zu Gast waren... Ich bin z.B. auch mit meinen Großeltern in den Ferien nicht wie heute meine Kids nach Malle, sondern nach Gera gereist für 3 Wochen...ein wenig hab ich also auch mitbekommen. Ich fände einen solchen Austausch spannend |
|  | | WhiteCat
 Anzahl der Beiträge: 1870 Anmeldedatum: 10.02.09
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 5:42 | |
| Ich bin zwar nicht in der DDR aufgewachsen, aber dadurch, das ich in Berlin fast direkt an der Grenze gewohnt habe, war die DDR immer schrecklich nah. Wobei das nah sein sich eher auf die negativen Seiten bezieht, da wir nachts regelmäßig die Grenzhunde gehört haben. Auch die Fahrten in den Urlaub sind mir noch in negativer Erinnerung: immerhin war es nie sehr angenehm an der Grenze immer das halbe Auto auspacken zu müssen, damit die Grenzsoldaten auch genau feststellen konnten, das nichts verbotenes im Auto war.
Puh - Erinnerungen ... |
|  | | Geisi

 Anzahl der Beiträge: 15471 Alter: 62 Ort: Sachsen-Anhalt Anmeldedatum: 16.11.08
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 6:43 | |
| Ich bin auch im ehemaligen "Zonenrandgebiet", wie Piece schrieb, aufgewachsen. Nur eben auf der anderen Seite. Dort habe ich bis zu meinem 17. Lebensjahr gelebt und bin dann dort weggegangen. Ich muß mal angestrengt darüber nachdenken, denn vieles in schon weit weg in der Erinnerung. |
|  | | michi

 Anzahl der Beiträge: 23 Alter: 59 Ort: Berlin Anmeldedatum: 04.12.09
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 8:54 | |
| okay...dann lege ich schonmal vor
Erinnerungen
für meine Kinder Katharina und Christopher
Ein war ein heißer Augusttag des Jahres 1959 in Berlin. Da stand ich nun, wütend und den Tränen nahe, neben meinem heiß geliebten Roller und schaute auf den Platten am Hinterrad. Ich wusste dass mir wieder niemand helfen konnte. Außer Opa, doch der wohnte, für mich als siebenjähriger Steppke weit entfernt, zu weit um allein zu ihm fahren zu können. Mein Freund Klaus, der hatte einen Vater der so etwas reparieren konnte. Nur ich hatte eben keinen Papa. Nicht das ich ihn unbedingt vermisste, aber in diesem Falle… Einmal hörte ich, wie meine Mutter unserer Nachbarin erzählte, dass mein Vater sich aus dem Staub gemacht hätte, ich wusste damals noch nicht, was das bedeutete und fragte auch nicht. Also schob ich meinen Roller mit hängendem Kopf und trüben Gedanken nach Hause. „Wo treibst du dich nur immer herum“, hörte ich meine Mutter sagen. „Das Mittagessen ist schon ganz kalt geworden, und wie du wieder aussiehst… Junge!“ Ich erzählte ihr von meinem Missgeschick. Sie versprach mir es selbst einmal mit der Flickerei zu probieren. ,,Das kriegen wir schon alleine hin, wir Zwei’’ Liebevoll strich sie mir über meinen Kopf und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht während sie sagte: „Hände waschen und ab in die Küche. Und wenn du deinen Mittagsschlaf gemacht hast, dann darfst du heute Abend noch Radio hören!“ Für dieses Ereignis nahm ich natürlich gern diesen so gehassten Mittagsschlaf in Kauf. Abends durfte ich dann im Wohnzimmer auf der Couch liegen und Mutter machte den kleinen Volksempfänger an. Sie saß dann immer neben mir im Sessel und nähte Wäsche für andere Leute, während wir der Musik aus dem Radio lauschten. Für beinahe eine Stunde erklangen dann die neuesten Schlager auf Rias Berlin. Jeden Montag und Freitag um 20 Uhr. Bevor die Sendung begann, ermahnte mich meine Mutter eindringlich, auf keinen Fall jemanden zu erzählen, dass wir Radio Rias Berlin hörten. Es war damals verboten ,,West’’- Sender zu hören, und sie würde eine Menge Ärger bekommen, wenn es jemand erführe. Vieles durfte damals nicht gesagt werden. Das lernte ich schon früh.
Wir waren eine kleine Familie. Meine Mutter, meine Schwester, die 12 Jahre älter war, meine Tante Edith die Schwester meiner Mutter mit meiner Cousine Gabi und meinem Cousin Henry. Tante Edith wohnte zu der Zeit mit ihren Kindern im westen Berlins.Gleich um die Ecke ein paar Strassen weiter.. Mutter und ich, meine Schwester, die inzwischen geheiratet hatte und von zu Hause ausgezogen war und einen kleinen Jungen bekommen und Opa, wir wohnten im Osten. Ich war also schon früh Onkel geworden. Meinen Schwager kannte ich kaum was sich später aber ändern sollte.
Es blieben mir nur noch wenige Wochen, und der Ernst des Lebens würde beginnen, wie Mutter sagte. Meine Einschulung rückte näher und ich zählte schon die Tage bis zu diesem großen Ereignis. Gut versteckt und abgedeckt in einer der hinteren Ecken des Wohnzimmers stand schon meine große Schultüte. Den ledernen Schulranzen durfte ich auch schon mal zur Probe tragen. Es war ein gebrauchter Ranzen vom Sohneiner befreundeten Familie. Einen Neuen konnte Mutter nicht kaufen, denn dafür reichte ihre kleine Rente nicht aus. Sie durfte schon länger nicht mehr arbeiten, ihr Herz war krank. Davon ließ sie sich natürlich nichts anmerken. Nur manchmal ahnte ich dass sie Schmerzen hatte.
Der Besuch
Heute ist Samstag, ein großartiger Tag! Mutter hatte beschlossen ihre Schwester zu besuchen. Für mich waren diese Fahrten immer wie ein kleines Abenteuer. Sobald wir uns aufmachten, schaute Mutter immer recht bekümmert aus, und ermahnte mich mehrfach, an ihrer Hand zu bleiben. Zuerst ging unser Weg eine lange Chaussee entlang und kurz vor der Grenze durch ein Kornfeld. Von weitem sah man schon etliche rote Fahnen an den Masten, Transparente mit Losungen und dann den Schlagbaum über die Chaussee mit einem Grenzposten davor. Ein großes Schild warnte mit dicken Buchstaben vorm verlassen des ,,Demokratischen Berlins’’. Dahinter stand ein weiteres Schild auf dem „Willkommen im französischen Sektor Berlins“ stand. Irgendwann hatte meine Mutter mir das einmal vorgelesen, doch die Bedeutung habe ich damals noch nicht verstanden. Was ich mitbekam war allerdings, dass sie große Angst und Respekt vor den Soldaten hatte.
Wenn wir dann endlich „Drüben’’ waren, stand da an der Endhaltestelle die für mich eigentliche Sensation. Ein großer gelber doppelstöckiger Bus. Während Mutter noch unten beim Schaffner bezahlte kletterte ich schon die Treppe am Ende des Busses nach oben. Es war einfach eine tolle Aussicht da oben und in meiner Phantasie fuhr ich den ,,Großen Gelben’’. ,,Wenn ich mal groß bin, werde ich Busfahrer, Mutti’’ sagte ich dann jedes mal. Hier auf den Strassen fuhren auch so tolle Autos. Überhaupt sah alles viel bunter und heller aus als im meinem Heimatkietz. Ich genoss es jedes Mal. Meine Tante wohnte mit ihren Kindern, die beide etwa in meinem Alter waren, ein paar Busstationen weiter, in einer kleinen Laubenkolonie und bewirtschaftete dort eine Vereinskneipe. Mächtig mit einem gewaltigen Körperumfang hinterm Tresen stehend breitete sie jedes mal ihre Arme aus und drückte mich an ihren riesigen Busen. Als erstes bekam ich eine Coca und einen Groschen. Eine besondere Anziehung übte auf mich der kleine Kaugummiautomat aus. Für einen Groschen bekam man den runden Kaugummi und wenn man viel Glück hatte, sogar ein winziges Spielzeug. Den kleinen Ring mit dem Totenkopf der sich sichtbar zwischen den Kaugummis im Glasbehälter zeigte bekam ich leider nie. So oft ich es auch probierte, dieser Ring kam nie mit heraus.
Abends ging es den gleichen Weg wieder zurück. Meine Mutter bepackt mit Obst, Filterzigaretten echtem Bohnenkaffee und Liebesromanen, ich mit Kaugummi und Micky Maus Heften, alles spendiert von meiner Tante Edith. Die Micky Maus Hefte und Muttis Liebesromane wurden uns an der Grenze einmal abgenommen. Der Posten meinte, das sei Schundliteratur und nicht erlaubt. Danach wählten wir immer den Umweg über die Felder zurück nach Haus.
Diesmal hatte mir Tante Edith Kleidung von meinem Cousin eingepackt die ihm nicht mehr passte, und so kam ich zu meinen ersten Nietenhosen. Echte Levis! Endlich! Wie oft hatte mein Cousin mich damals immer gehänselt wegen meiner kurzen Lederhosen mit den Hornknöpfen an den Hosenträgern. Ich hatte beschlossen, dass ich gleich morgen seine Hosen anziehen würde, allerdings ohne zu ahnen, welchen Ärger mir diese Nietenhosen einmal bereiten würden.
Unser Zuhause
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|  | | Babs

 Anzahl der Beiträge: 1971 Alter: 61 Ort: Thüringen Anmeldedatum: 21.12.08
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Mi 12 Okt 2011 - 23:05 | |
| Ach ja die Erinnerungen.......... Ich wuchs auch in der DDR auf, noch nicht im Zonenrandgebiet mit Extrausweis zur Einreise, aber sehr nahe dran. Eisenach ist eine kleine Stadt und mit 55 tausend Einwohnern doch recht überschaubar. Mein Vater gehörte zu den wenigen Privatunternehmern. Mein Opa hatte eine Kunst- und Bauschlosserei aufgebaut in der mein Vater dann auch arbeitete und sie später übernahm. Reich waren meine Eltern nie, denn von staatlicher Stelle wurde durch hohe Steuern dafür gesorgt. Aber es ging uns auch nie schlecht. In den ersten Jahren kamen regelmäßig mit der Bahn große Körbe von meinen Großeltern mit geschlachteten Kaninchen, Obst und Gemüse und mein nicht reicher Vater hatte durch seinen Beruf Beziehungen und die waren in der DDR oft noch wichtiger. Es wurde getauscht und viele Kunden bezahlten in Naturalien. Zum Beispiel steht ein wunderschöner alter Schrank in meinem Wohnzimmer den mein Vater mal als Bezahlung erhalten hatte und der dann viele Jahre als Schrank für alles im Aufenthaltsraum der Wekstatt stand bis er bei mir landete. Schade, schade ...meine Eltern hatten so garkein Interesse an Antiquitäten....dabei saß mein Vater an der Quelle. An was ich mich besonders erinnere war der unterschiedliche Musikgeschmack . Wie sagte mein Vater immer : Mach die Negermusik leiser...... Er hörte Lolita und so ein Zeug mit dem ich so garnichts anfangen konnte. Ich hörte den " Soldatensender ". Ein Sender der von sich sagte er wäre in der BRD stationiert, aber es war ein offenes Geheimnis daß er in der er in der DDR angesiedelt war. Aber das war mir so was von egal. Hauptsache gute Musik Der positive Nebeneffekt war dabei noch die Durchgabe von Adressen die von mir oft fein säuberlich mitgeschrieben wurden und ich so einige nette Briefpartner aus der BRD hatte, von denen ich sogar einige persönlich traf. Soll ich noch etwas von der Mode schreiben ? Die wurde ein Thema als ich so 14 Jahre alt war. Ach je was ich da anziehen sollte. Nur gut , meine Freundin wohnte nur eine Straße weiter und so konnte ich oft die Modesünden meiner Mutter bei ihr wieder richtigstellen. Da wurde dann der Rock so am Saum hochgekrempelt bis es ein Minirock war. Tücher wurden umgebunden...Haare neu gestylt. Ich glaube Mutti hätte mich nach diesem Umstyling oft nicht erkannt. Und dann einer meiner ersten Freunde.. Wir waren verabredet und er stand an der Straßenecke und wartete. Ich armes Huhn mußte aber kurzfristig mit meinen Eltern spazieren gehen. Los ging es und da stand er und ich konnte nur vorsichtig Zeichen geben. War ja in den Augen meiner Eltern ein braves Mädchen was mit Jungs noch nichts am Hut hatte. Aber keine Angst, sie merkten doch nach einiger Zeit daß da immer mal ein anderer Junge mit sehnsüchtigem Gesichtsausdruck vor dem Haus stand. Aber zurück zur Geschichte.... Mutti sah den wartenden Jungen und sagte entsetzt zu uns : Wie kann man so nur rum laufen. Die Mutter scheint sich garnicht um ihn zu kümmern, sind bestimmt assozial ". Die Beschreibung meines Verehrers : 16 Jahre alt, Haare bis auf die Schultern und eine Fellweste. In der Zeit um 1964 im Westen hochmodern, im Osten ein absolutes No Go. Wenn sie gewußt hätte ....... ein Zweistundenvortrag über gepflegtes Äußeres wäre mir sicher gewesen. Diese erste Verliebtheit hielt aber nicht sehr lange. Der Junge schoß mit einer alten Pistole von seinem Opa im Wald auf Büchsen und wurde von einem Kumpel verraten. Er wurde zu 4 Jahren Haft verurteilt und ich sah ihn nie wieder.... Jetzt bin ich im Erinnerungswahn und könnte schreiben.....aber es ist Zeit fürs Bett |
|  | | Compumouse Admin


 Anzahl der Beiträge: 20493 Alter: 55 Ort: Bayern Anmeldedatum: 15.11.08
 | |  | | piece

 Anzahl der Beiträge: 5444 Alter: 48 Ort: NDS Anmeldedatum: 29.12.08
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Do 13 Okt 2011 - 5:03 | |
| ...und ich bin mit der Jeans in die Wanne, damit sie hauteng an dem Körper einlief, lach......tja das waren noch zeiten *grins*.... Wenn ich wieder etwas Luft habe kann ich Euch ja mal vom *Nightlifeerlebnis in Gera erzählen....oder der Kunst auszugehen als Westler im Osten*  .... Ich lese hier auch sehr gerne mit |
|  | | michi

 Anzahl der Beiträge: 23 Alter: 59 Ort: Berlin Anmeldedatum: 04.12.09
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Do 13 Okt 2011 - 9:43 | |
| Unser zu Hause.
Mutter und ich, der kleine Nachzügler wohnten Parterre in einem Zweistöckigen Wohnblock mit drei Hauseingängen. Dieser muss wohl als einziger übriggeblieben sein denn ringsum waren unbebaute Grundstücke oder Reste von Hausruinen. Stumme Zeugen des vor einem Jahrzehnt zu ende gegangenen Krieges. Gegenüber auf der anderen Straßenseite war eine alte stillgelegte Tankstelle. Ein genialer Spielplatz für uns Jungen. Mutter sah es nicht gern wenn ich dort spielte weil ich regelmäßig ölverschmiert nach Haus kam. Es war eine ruhige Wohngegend. Wir konnten ungestört auf der Strasse Fussball spielen. Eine Querstraße weiter begann eine Einfamilienhaussiedlung die noch ziemlich intakt war. In einem der Häuser wohnte mein Freund und Schulkamerad Klaus. Wenn ich zu Klaus in den Garten spielen ging kam wieder die Ermahnung meiner Mutter nichts von unseren Besuchen bei Tante Edith zu erzählen. Ich hörte mal wie sie sagte der Vater vom Klaus sei in der Partei. Mir war es egal. Eine anderthalb Zimmerwohnung war unser zu Hause. Mit Bad ,Küche, Wohnzimmer und einem weiteren kleinen Zimmer. Gegessen wurde in der Küche an einem Holztisch unter dem sich eine ausziehbare Lade befand in der zwei emaillierte Schüsseln für den Abwasch verborgen waren. Gekocht wurde auf der Kochmaschine die mit Holz und Kohlen befeuert wurde. Ebenso wurde darauf das Wasser zum waschen erhitzt. So beschwerlich das Heizen auch war, dieser Herd strahlte immer eine warme Gemütlichkeit aus, an die ich mich gern erinnere. Ein Küchenschrank mit Aufsatz komplettierte die Kücheneinrichtung. Wasser kam aus einem Messinghahn über dem gusseisernen Abflussbecken. Irgendwann bekamen wir dann auch einen Gasherd mit Backofen. Samstags war Badetag! Der Badeofen wurde geheizt und die Wanne befüllt. Ein Luxus den nicht viele hatten. Eine Waschmaschine besassen wir nicht. Mutter wusch alles mit der Hand. Die beiden Zimmer wurden durch einen Kachelofen warm gehalten. Die Kohlen aus dem Keller zu holen war Männersache, also war ich dafür zuständig. Im Wohnzimmer stand ein Tisch, eine Couch und zwei Sessel, ein kleiner Nierentisch mit Stehlampe sowie eine Anrichte mit dem Radio darauf. Einen Fernseher konnten wir uns nicht leisten.
Meine Einschulung
Dann kam der Tag auf den ich mich schon lange freute. An einem Samstagmorgen machte sich meine kleine Familie aufden Weg zur Schule. Mein erster Tag in der Schule! Meine große Schwester mit ihrem Freund,Tante Edith, Opa und natürlich meine Mutti die sich an diesemTag besonders fein gemacht hatte. Meine Schwester trug Peticoatrock, weiße Bluse, mein Schwager schwarze Jeans, schwarzes Hemd und spitze Stiefel (er erinnerte mich an Gary Cooper, fehlte nur noch der Cowboyhut) und Opa im Anzug und Krückstock.
Wir waren alle ganz aufgeregt. Mit einem Taschentuch und etwas Spucke wischte mir Mutter irgendetwas von der Wange, zog mir nochmal den Scheitel nach und los gings. Vor einem riesigen roten Backsteingebäude trafen sich die Erstklässler um alsbald in das Gebäude gerufen zu werden. An den Fenstern hingen große rote Fahnen und Transparente. Auf dem Schulhof wurden wir von den Eltern getrennt und in Reih und Glied gestellt. Vor uns die Lehrer und auf einem Podest die dicke Direktorin. Links und rechts von ihnen Schüler der Zweiten Klassen mit ihren blauen Halstüchern dem Zeichen der Jungen Pioniere. Die Direktorin hielt mit ihrer gewaltigen Stimme eine Ansprache über Sozialismus und Frieden, die Kinder sangen ein paar Lieder dann übergab man uns zum Schluss unserem Klassenlehrer.
Unser Klassenlehrer hieß Herr Guteborn. Ein alter weißhaarigerMann mit Holzbein. Mit barscher Stimme ließ er uns in Zweierreihe antreten und führte uns ins Klassenzimmer. Die Eltern mussten auf dem Flur warten. Im Klassenzimmer standen in drei Reihen Holzbänke. Unter deren hochklappbaren Tischplatten mussten wir unsere Schulranzen legen. Immer wieder erscholl seine Stimme die zur Ruhe aufforderte. Als erstes übten wir den Lehrer begrüßen. Dazu mussten wir nach einem ,,Achtung'' von den Bänken aufstehen und ein lautes ,,Guten Morgen Herr Geuteborn'' schmettern. Wir hatten einen Heidenrespekt!
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|  | | michi

 Anzahl der Beiträge: 23 Alter: 59 Ort: Berlin Anmeldedatum: 04.12.09
 | Thema: Re: habt ihr darüber mal nachgedacht?... Do 13 Okt 2011 - 13:17 | |
| ja babs das kenne ich auch.meine schwiegereltern hatten auch nen kleinen tanteemmaladen. da alle preise im einzelhandel staatlich vorgeschrieben waren und einheitlich gleich wurde wohl niemand richtig reich.zum leben reichte es. aber...man konnte ja limitierte und besonders begehrte waren künstlich untern ladentisch verknappen. die wurden dann im tausch gegen andere ,,verknappte waren'' verkauft. ich sage nur bückware...ab und an bückte sich bei guten kunden der verkäufer etwas tiefer. dabei fällt mir ein...der bruder meines schwiegervaters hatte einen obst und gemüse laden.eine heikle sache gab es doch nur saisonware an obst. importiert wurde fast gar nichts. das kuriose war allerdings das die aufkaufpreise an obst und gemüse höher waren als die verkaufspreise.damit der händler keinen verlust machte zahlte vater staat den ausgleich nebst gewinn. so wollte man private obstbauern und hobbygärtner animieren an die staatlichen aufkaufstellen oder privaten händler zu verkaufen. pfiffige zeitgenossen taten das auch lieferten ihre äpfel oder tomaten im laden ab kassierten das geld und schickten verwandte oder bekannte zum einkaufen in denselbigen...danach gings wieder rein zum verkaufen. auch so kam man zu geld mit wenig aufwand. irgendwann kam man hinter den schwindel und verkaufte nur noch ,,handelsübliche mengen'' an die bevölkerung. sozialistische wirtschaft gruss michi |
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