Machen Chinesen das Wetter selbst?
Am vergangenen Sonntag ist die chinesische Hauptstadt Peking im Schnee versunken. Ein Wetteränderungsamt soll die weiße Pracht verursacht haben. Das halten Experten für unwahrscheinlich.
Früher als in den Vorjahren ist am 1. November kräftiger Schneefall in Peking niedergangen.
Unbestritten ist, dass am Sonntag heftiger Schneefall in Peking nicht nur für glatte Straßen gesorgt hat. Nach einem Bericht der China daily brachen Äste von Bäumen ab, zum Teil gab es Störungen in der Stromversorgung, am internationalen Flughafen fielen rund 200 Flüge aus.
Zur Heftigkeit des Niederschlags soll ein so genanntes Wetteränderungsamt beigetragen haben, indem es 186 Ladungen Silberjodid in die Wolken schießen ließ. Dieser These widerspricht Jörg Kachelmann in einem Stern-Interview: "Auch ohne ein staatliches Amt für Wetterbeeinflussung hätte es genauso heftig geschneit." Er hält das Ereignis für ein Produkt der chinesischen Propagandamaschine: "Jede Diktatur ... muss einen Nachrichtenfluss erzeugen, wo die Welt aufmerkt." So sei die Behauptung, das Wetter beeinflussen zu können, eine coole Sache.
Eine Wetterfront wie am vergangenen Sonntag sei jedoch ohnehin viel zu groß für eine Beeinflussung, so Kachelmann weiter, "aber jeder Meteorologe weiß, wie kalt und warm es morgen wird", und bei unter Null Grad schneie es eben.
Auch beim Deutschen Wetterdienst (DWD) halten es die Meteorologen für unwahrscheinlich, dass die Chinesen den Schneesturm herbeigeführt haben. Zwar werde mit Silberjodid seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts experimentiert, um Wolken zu beeinflussen, nachdem seine Wirkung im Laborversuch beobachtet worden war. So genannte Hagelflieger verbreiten es zum Beispiel als Aerosol in Hagelwolken, die chemische Verbindung stellt darin weitere Kondensationskerne bereit und die Feuchtigkeit fällt aus. Damit wird angeblich die Bildung großer Hagelkörner verhindert, die am Boden für erheblichen Schaden sorgen können.
"Man kann daran glauben oder auch nicht", so Gerhard Lux. Solche Schadensereignisse seien jedoch insgesamt so selten, dass man einen Effekt nicht mit wissenschaftlicher und statistischer Qualität nachweisen kann. Auch er ist der Meinung, was im kleinen Labor funktioniert, ist bei Größenordnungen wie einem Wolkensystem noch lange nicht wirkungsvoll. Überhaupt stehe der DWD solchen Projekten ablehnend gegenüber, "wir finden Wetterbeeinflussung nicht gut". Man solle das Wetter nicht komplizierter machen, als es ohnehin schon sei.
In Peking waren für das vergangene Wochenende jedenfalls "Niederschläge bei kühlen Temperaturen" prognostiziert worden, so der DWD auf seiner Webseite. Ungewöhnlich ist solch eine Wetterlage Anfang November jedoch nicht, auch wenn laut China daily Schneefall zu so einem frühen Zeitpunkt zuletzt vor 22 Jahren auftrat.
Und das Wetteränderungsamt, das den Schnee verursacht haben soll, das aber niemand kennt? Es gibt eine zentrale Verwaltung, die direkt dem Staatsrat unterstellt ist und die Aktivitäten des chinesischen Staates bei der Erforschung des Wetters und des Klimas bündelt. Zu ihr gehört auch die chinesische Akademie für Meteorologie. Einer ihrer führenden Wissenschaftler, Ye Qian, wird bei China daily zitiert: "Künstliche Methoden [zur Beeinflussung des Wetters] sind noch experimentell, niemand kann sagen, wie sehr wir das Wetter beeinflussen können."
Quelle: Augsburger Allgemeine
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