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 Kilometergebühr

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BeitragThema: Kilometergebühr   Mo 16 Nov 2009 - 4:49

das Eingangsposting lautete :

In Holland sollen Autofahrer eine Gebühr pro gefahrenen Kilometer bezahlen. Jetzt wird über das Konzept auch in Deutschland gestritten.

Das Kilometergeld ist gestaffelt nach Fahrzeuggröße und richtet sich danach wann man fährt. Zur Rush hour ist es also teurer wie zur Mittagszeit.

Ich bin ein Beführworter der Autobahngebühr! Denn es kann nicht sein, dass alle Welt kostenlos durch Deutschland fährt, während wir überall bezahlen müssen.

Aber ein Modell wie es Holland eingeführt hat, lehne ich ab. Damit würden alle Autofahrer die beruflich fahren müssen gestraft!

Warum können wir nicht einfach eine jährliche Maut einführen, die deutsche Autofahrer zumindest zum Großteil über die KFZ-Steuer zurück bekommen?

Ich verstehe nicht, was an der Umsetzung so schwer sein kann. Da lässt sich unser Staat seit Jahren Millionen oder Milliarden von Autobahngebühren entgehen, nur weil sie nicht in der Lage sind, dass durchzuführen, was unsere Nachbarstaaten schon seit Jahren praktizieren.

Wie seht ihr das?

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BeitragThema: Re: Kilometergebühr   Mi 18 Nov 2009 - 20:02

Sunny schrieb:
Na, der Aufbau eines Horrorszenarios scheint ja gelungen lachen

Worum gehts denn wirklich? Die Holländer wollen die [b]Kfz-Steuer abschaffen, ebenso wie
die 25 % Steuer beim Kauf eines Neuwagens.

Das unsere Kfz-Steuer ungerecht ist (wie die meisten Pauschalsteuern) ist ja wohl unbestritten.
Wer kaum fährt zahlt ebensoviel wie derjenige der die Kilometer frisst und selbst zum Zigarettenautomaten
fährt.

Eine gerechtere Verteilung ist also insgesamt nicht schlecht, sogar wünschenswert.

Die Niederländer haben errechnet das bei ihrem Modell über 80 % der Autofahrer billiger wegkommen als bei
der Kfz-Steuer. Die Restlichen sind nicht die Berufspendler in ihren Klein- und Mittelklassewagen sondern diejenigen
die mit ihren Nobelkarossen durch die Gegend düsen. Da sag ich doch: Jawollja, genau so soll es sein.

Meine Quelle der Information ist die Rheinische Post vom gestrigen Tag.
Meine Meinung ist made by me ja

Sunny, dann mach ich dir mal meine Rechnung auf:

Ich fahre täglich 150 km. Ausgehend vom günstigsten Fall, also 0,03 Euro pro Kilometer käme bei mir folgendes zusammen:

Pro Arbeitstag: 4,50 Euro
Pro Arbeitswoche: 22,50 Euro
Ergibt bei 52 Wochen im Jahr ./. 6 Wochen Urlaub: 1035,00 Euro

Darin ist jetzt noch nicht berücksichtigt, dass Autobahnkilometer mehr kosten - und ich muss die Hälfte der Strecke Autobahn fahren.

Weiterhin ist noch nicht berücksichtigt, der s. g. Rush hour Zuschlag, denn auch ich kann die Zeiten in denen ich fahren muss nicht frei wählen.

Wenn das niederländische Konzept übernommen werde würde, käme ich auf locker 2.000 Euro im Jahr.

Da nützt es mir nichts, wenn ich knapp über 100 Euro KFZ-Steuer spare. Auch die 25 % Steuer beim Kauf einens Neuwagens reissen das nicht raus, da ich nicht jedes Jahr ein neues Auto kaufe... Wobei bei uns ja keine 25 % Steuer auf Neuwagen sind.

Die Rechnung geht für mich absolut nicht auf.

Ich wäre für die Autobahnvingette. Jeder bezahlt z. B. 100 Euro im Jahr und bekommt dafür einen Rabatt auf die KFZ-Steuer.[/b]

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BeitragThema: Re: Kilometergebühr   Sa 21 Nov 2009 - 17:49

Guten Abend,

ihr habt ein interessantes Thema gewählt. Die Lkw-Maut gibt es ja schon länger. Deshalb kann ich schon einige Erfahrungsberichte abgeben. Früher reichte die Benelux-Vignette aus. Deutschland gehörte dem Verbund an und ist dann mit Einführung der streckenabhängigen Maut ausgestiegen. In den Niederlanden existiert das System heute noch. Zu Zeiten der Benelux-Maut kostete der Betrieb eines Lkw 1400 DM im Jahr. Als Nachweis für die bezahlte Maut diente ein "fälschungssicherer" Quittungsbeleg.
Heute zahle ich im günstigsten Fall 12 000 Euro Maut im Jahr pro Fahrzeug. Ich bitte zu beachten, dass hier DM in Euro umgerechnet werden müssen, um einen Vergleich zu bekommen. Weiter ist zu beachten, dass meine Fahrzeuge im Werksverkehr fahren, d.h. sie stehen auch mal auf dem Hof rum. Die Maut war schon immer ein probates Mittel, den Staatshaushalt zu sanieren. Die Erhöhungen kamen regelmäßig unter den fadenscheinigsten Begründungen.
Als das System starten sollte, gab es massive Probleme. In der Testphase stellte sich heraus, dass das System stellenweise nicht in der Lage war, die Fahrzeuge von der Menge her zu erfassen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das Gerät öfter einen Totalausfall hatte. Aber gut! In der Testphase kostete es noch kein Geld, deshalb war es zunächst mal egal.
Als dann das System offiziell in Betrieb ging, musste ich so manche Nacht opfern, um meine Fahrer über das Internet in das System einzubuchen. Entweder versagten die Geräte oder sie bekamen kein GPS-Signal. Es dauerte ungefähr ein Jahr, bis Toll-Collect das in den Griff bekam. Dazwischen gab es zahlreiche Updates und Werkstattaufenthalte.
Jetzt läuft das System stabil und jetzt kassieren sie auch reichlich ab. Es fragt keiner danach, wie schädlich das für die Wirtschaft ist. Auf die versprochene Entlastung als Ausgleich für die zusätzlichen Kosten warten die Unternehmer heute noch. Plötzlich wurden eu-rechtliche Bedenken laut und es geriet von Seiten der Poltik in Vergessenheit.

Mit der Pkw-Maut wird es nicht anders laufen. Sie kriegen es von der Menge der Daten gerade noch hin, die Lkw zu erfassen. Bei den Pkw habe ich so meine Zweifel. Das sind ungleich mehr, die da unterwegs sind. Wie will man auch die Mautpreller aussortieren? Soll das Aufgabe der Polizei werden, die Pkw auf ordnungsgemäßen Betrieb der OBU (on bord unit) zu überprüfen? Dann werden sie tatsächlich zu Steuereintreibern der Politik degradiert und sollten sich nicht mehr Polzei nennen dürfen. Oder wird eigens eine neue Behörde geschaffen, die den fließenden Verkehr kontrolliert und das Recht hat, Verkehrsteilnehmer rauszuziehen? Bei den Lkw ist das ja schon heute der Fall. Das sind die silbergrauen Busse mit der Aufschrift "BAG".Einer fährt und ein anderer spielt mit dem Laptop, um das vorausfahrende Fahrzeug zu überprüfen, ob es eingebucht ist. Und dann die Kontollbrücken, die noch zusätzlich die Mauteinnahmen überwachen.

Wenn Pkw-Maut, dann bitte über eine Vignette, die man an jeder Tankstelle kaufen kann und nicht so ein unsicheres System wie streckenbezogenes Kilometergeld.

Viele Grüße

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BeitragThema: Re: Kilometergebühr   Sa 21 Nov 2009 - 17:59

Planesia2 schrieb:
Diese Maut beinhaltet, dass alle Autos sich einen GPS anschaffen müssen, da für alle Strassen kassiert werden soll, nicht nur auf Autobahnen. Der "Nebeneffekt" dieser Maut wäre, dass Deutschlands Autofahrer flächendeckend überwacht werden könnten - sowohl, was Geschwindigkeitsübertretungen betrifft, als auch für ein Bewegungsmuster.

In den NL soll diese Maut für LKW ab 2010 gelten, für PKW erst ab 2011 oder etwas später


Die Geräte zum Empfang der GPS-Daten werden wohl vom Betreiber des Systems bezahlt, genauso wie Reparaturen an dem Gerät. Das ist schon so bei der Lkw-Maut. Die OBU (on bord unit) ist Eigentum von Toll-Collect. Sie sind auch zuständig für Reaparaturen.

Eine flächendeckende Überwachung sehe ich nicht so als Problem an. Theoretisch wäre es wohl möglich, anhand der Rechnungsdaten die Strecken und Zeiten zur Bespitzelung zu nutzen, aber das Bundesverfassungsgericht würde da nicht mitspielen. Auch jetzt ist es nicht so ohne weiteres möglich, die Mautdaten zur Aufdeckung von Ordnungswidrigleiten zu nutzen. Wäre das so, brauchten wir unterwegs keine Kontrollen mehr, die die Lenk- und Ruhezeiten überwachen. An die Daten kommt der Staatsanwalt nur in besonderen Fällen und nur mit richterlicher Genehmigung.

Auch die Nutzung der GPS-Daten als Hinweis auf eine mögliche Geschwindigkeitsübertretung nach dem Muster von section control ist hier in Deutschland nicht möglich. Niemand darf von vorneherein unter Generalverdacht gestellt werden.

Viele Grüße

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BeitragThema: Re: Kilometergebühr   Sa 21 Nov 2009 - 18:04

digame schrieb:


Wie kann man ein solches Gerät straffrei stören oder außer Kraft setzen?



Der Spiegel, der die GPS-Daten empfängt, ist sehr empfindlich. Im Bereich von 40 cm nach rechts und links dürfen keine elektronischen Geräte liegen. Ein Handy oder ein Laptop neben der OBU stören schon den Empfang und man kann für lau fahren, wenn man nicht erwischt wird.

Viele Grüße

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BeitragThema: Re: Kilometergebühr   Sa 21 Nov 2009 - 19:24

Brummischubser schrieb:
Der Spiegel, der die GPS-Daten empfängt, ist sehr empfindlich. Im Bereich von 40 cm nach rechts und links dürfen keine elektronischen Geräte liegen. Ein Handy oder ein Laptop neben der OBU stören schon den Empfang und man kann für lau fahren, wenn man nicht erwischt wird.


Das würde dann bedeuten, dass ich meine Freisprecheinrichtung zugunsten des GPS ausbauen müsste???

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