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 Rainer Maria Rilke

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BeitragThema: Rainer Maria Rilke   Mo 24 Nov 2008 - 8:15

das Eingangsposting lautete :

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weißt, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gib dich, gib nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Federkleid
über die sinnenden Dinge

Rilke
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Do 12 März 2009 - 7:06

Alles Erworbne bedroht die Maschine, solange
sie sich erdreistet, im Geist, statt im Gehorchen, zu sein.
Dass nicht der herrlichen Hand schöneres Zögern mehr prange,
zu dem entschlossenern Bau schneidet sie steifer den Stein.

Nirgends bleibt sie zurück, dass wir ihr ein Mal entrönnen
und sie in stiller Fabrik ölend sich selber gehört.
Sie ist das Leben, - sie meint es am besten zu können,
die mit dem gleichen Entschluss ordnet und schafft und zerstört.

Aber noch ist uns das Dasein verzaubert; an hundert
Stellen ist es noch Ursprung. Ein Spielen von reinen
Kräften, die keiner berührt, der nicht kniet und bewundert.

Worte gehen noch zart am Unsäglichen aus...
Und die Musik, immer neu, aus den bebendsten Steinen,
baut im unbrauchbaren Raum ihr vergöttlichtes Haus.


.
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Fr 20 März 2009 - 10:11

In der Schule mußte ich das vorstehende Gedicht einmal interpretieren. verzweifelt

Inzwischen verstehe ich es wenigstens ein bißchen. MSN-Lachen
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Di 5 Mai 2009 - 14:51

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten -
dürfen ihn einmal sehn.
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Mi 6 Mai 2009 - 15:43

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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   So 17 Mai 2009 - 22:46

O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet;
meine Stille war die eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.






Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewußten dundlen Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß was ich noch gestern war.

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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Do 3 Sep 2009 - 11:48

Nur wer die Leier schon hob
auch unter Schatten,
darf das unendliche Lob
ahnend erstatten.

Nur wer mit Toten vom Mohn
aß, von dem ihren,
wird nicht den leisesten Ton
wieder verlieren.

Mag auch die Spieglung im Teich
oft Dir verschwimmen:
Wisse das Bild!

Erst in dem Doppelbereich
werden die Stimmen
ewig und mild.
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Sunny
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Sa 5 Sep 2009 - 9:03


_________________
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Mo 7 Sep 2009 - 15:09

Dieses Rilke-Gedicht ist auch eines meiner Lieblingsgedichte von ihm. lachen
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BeitragThema: Re: Rainer Maria Rilke   Mi 6 Jul 2011 - 11:52

Das Karussell

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein grüner Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein grüner Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein grüner Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.

Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .
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Rainer Maria Rilke

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