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 Der Duft von Papier

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BeitragThema: Der Duft von Papier   So 27 Dez 2009 - 15:13

Der Duft von Papier…..

Ich las neulich, das immer weniger Menschen lesen…..immer mehr haben sich umgestellt auf PC und digitale Medien…wie schade!
Natürlich ist das alles äußerst nützlich, auch ich sehe durchaus die Vorteile und nutze sie auch.
Auch ich bestelle aus auftretendem Zeitmangel hin und wieder Bücher über das Internet- aber
Es fehlt was….

Es fehlt einfach der Duft….
Es fehlt auch die Atmosphäre eines Buchladens
.

Der Duft nach bedrucktem Papier, der typische Duft wie sie nur richtige Bücher haben!
Es fehlt mir das Durchblättern von Seiten, das Anfassen und Fühlen der Schwere eines Buches, die Rauheit von den Seiten und die Glätte eines Hochglanzumschlags…
das reale Schauen von Umschlag- und Innenseitenbildern….

Es fehlt mir die Atmosphäre , die es nur in einem vollgestellten Buchladen gibt, wo es kilometerlange Wände mit zauberhaften, geheimnisvollen, unbekannten Geschichten gibt, eine bunte Welt die einem noch verborgen bleibt, eh man sich nicht aufschwingt alles durchzulesen…
Die Anwesenheit anderer Menschen denen es ähnlich geht, mit denen man eigentlich fast nie groß kommuniziert, aber wo doch unterschwellig ein Einklang mitschwingt an dem Interesse an beschriebenem Papier und mit denen man hin und wieder über die Augen dieses Einverständnis austauscht und sich manchmal nur lächelnd zunickt und nonverbal weiß was der andere denkt…auch wenn man sich nicht kennt und nie kennenlernen wird, man ist Bücherfreund und der andere ebenso..das reicht….

Schon als kleines Kind habe ich ehrfurchtsvoll vor Bücherregalen gestanden und der Schreibwarenladen in unserem Einkaufszentrum war -und ist nach wie vor- eins meiner Lieblingsläden….Ich liebe selbst den Duft unbeschriebenen Papiers, weil es so leer und frisch ist und man die Freiheit hätte nun alles Erdenkliche darauf niederzuschreiben….Unscheinbares oder auch große Literatur, Liebesbriefe, Gedichte, Vokabeln….Hausarbeiten….egal….es hat Aufforderungscharacter für mich.

Ein schon fertig geschriebenes Buch macht mich neugierig, der Duft nach dem bedrucktem Papier allein reicht schon um in mir vor allem Erinnerungen hoch zu beschwören.
Erinnerungen wie ich als Mädchen Nachmittage mit Schundromanen meiner Großmutter unter der zugedeckten Hollywoodschaukel im Garten versteckt las.
Wie ich ganze Sonntage im Bett lesend verbrachte und obwohl ich mich nicht mal aus dem Bett bewegte doch in ferne Gefilde reiste und wahnsinnig viel erlebt habe…
Erinnerungen an alte schnörkelige Sütterlinschrift die ich mühselig gelernt habe, nur weil ich wissen wollte was in diesen alten Büchern stand, die in alten Einbänden voller Geheimisse zu sein schienen.
Erinnerungen an eine Zeit wo ich mir viel Zeit genommen habe für Fantasien und Geschichten, die im heutigen Alltag oft viel zu kurz kommt….und wo ich – lesend- das Gefühl hatte die Welt ist in diesem Augenblick vollkommen in Ordnung, denn nur so kann man in Ruhe lesen.

Und der Duft eines Buches entspannt mich augenblicklich und macht mich unglaublich neugierig…..

Wenn ein Buch alt und verstaubt ist reizt mich das oft noch viel mehr…es ist wie eine Zeitreise, nicht nur weil oft der Inhalt wenig aktuell ist, aber dann eine Zeit wiederspiegelt in der es grade“ hipp“ war, sondern weil es an sich schon zu Fantasien anregt wer dieses Büchlein unter welchen Umständen wohl schon gelesen haben mag.

Wurde es verschenkt? Hat man es als ein Geschenk erhalten- und wenn es so war, wer hat es von wem oder wer hat es wem geschenkt? Hat jemand mühselig darauf hin gespart es sich zu kaufen? Wurde es heimlich unter der Bettdecke gelesen? War es vielleicht sogar verboten? Wo war dieses Buch mal zu Hause? Warum hat man es weggegeben?

Ich fange bei Büchern fast schon so an zu spinnen wie die Autoren wohl oft wenn sie sich den Inhalt ausdenken. Aber das funktioniert bei mir nur bei realen Büchern- nicht bei Hörbüchern, nicht bei Digitalbüchern. Ich braucht dazu den Duft .
Das Papier riecht auch immer anders!

Alte Bücher riechen alt, nach Staub, nach vergangenen Sommern und Wintern….nach Zeit…,
Neue frisch gedruckte Bücher reichen, erwartungsvoll, auffordernd sie zu entdecken, unberührt….
Beides ist wundervoll!

Alte Bücher erzählen mir viel mehr als nur die Geschichten die in Ihnen stehen…sie gehörten einst anderen Menschen und ich wüsste dann immer nur zu gern wer sie waren und wie sie dachten und wieso sie grade dies Buch gelesen haben. Wie die Zeit war in der man so ein Buch las(….was mich dann wieder anregt Bücher über diese Zeit zu lesen) usw.

Neue Bücher sind aufregend und riechen nach Neuem…nach Spannung und neuen Erkenntnissen, nach heutigem Zeitgeist und sind nicht minder interessant, weil sie aus heutiger Sicht geschrieben sind und man dadurch die eigene Sicht immer wieder mal hinterfragt…denke ich wie der Autor? Denke ich total anders? Wie sehe ich das? Ist das was darin steht wirklich was Neues etc.

Selten lese ich Bücher zweimal, auch wenn ich viel lese…aber ich kann mich kaum trennen.
Mit einem ausgelesenen Buch stelle ich immer auch eine Erinnerung , ein Gefühl- ins Regal, von daher hab ich auch ein ernsthaftes Buchproblem, da Bücher viel Platz benötigen…Aber sie sind mir oft wie Freunde und Freunde schmeißt man nicht so leichtfertig aus dem Leben…
Von Büchern und ihrem unterschiedlichsten Duft umgeben zu sein hat was heimeliges, was von zu Hause sein, von Geborgenheit für mich.
Das können mir digitale Medien niemals geben, so praktisch und schnell sie auch sein mögen….aber wer will schon immer praktisch und schnell?
Grade die „Verlangsamung des Lebens“ durch das Lesen eines echten richtigen Buches aus Papier und Druckerschwärze macht viel aus in Sachen Entspannung und Ausklinken aus der täglichen Hektik.

Für mich gibt’s fast nichts Schöneres und ich bedaure die Aussage, das immer weniger Menschen sowas fühlen….
Aber ich bin eben auch hoffnungslos altmodisch , was ich für mich immer öfter und immer mehr feststelle….
Vielleicht bin ich auch ein wenig „spinnert“- aber da steh ich zu und werde mich nun wieder einem guten Buch und einer netten Gedankenspinnerei eines Autoren hingeben und wie jedes Mal einmal tief Luft holen um den süßen, verheißungsvollen Geruch der spannenden kommenden Stunde schon mal einzuatmen….das Leben kann so wundervoll sein!
Und es kann soooo gut riechen ja
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Compumouse
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BeitragThema: Re: Der Duft von Papier   So 27 Dez 2009 - 16:45

Das ist ja echt interessant… gerade habe ich mein Buch aus der Hand gelegt, um nach der Group zu schauen und schon finde ich ein Posting über Bücher smile .

Es ist eigentlich schade, dass in unserer digitalisierten Welt das Lesen viel zu kurz kommt. Zumindest bei mir ist das so. Früher habe ich viel mehr Bücher gelesen. Der PC hält mich schon sehr oft vom Lesen ab und ich denke, das geht auch anderen so.

Ich bestelle auch öfter meine Bücher bei Amazon, gehe aber auch liebend gerne in eine Buchhandlung, wenn es sich ergibt. Da geht es mir wie dir, Piece, ich will ein Buch anfassen können, will darin blättern und was für mich ganz wichtig ist, wie es geschrieben ist. In winzig kleiner Schrift, oder eben lesbar. Auch wie viele Kapitel es gibt und ob es öfter Absätze gibt, dass man später noch weiß wo man war, sind für mich Dinge, die ich nur in der Buchhandlung sehe.

Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen und wenn ich zum Geburtstag oder zu Weihnachten Bücher bekam, war das immer ein Volltreffer. Später bin ich dann in unserer Stadtbücherei Stammgast gewesen. So hatte ich die Möglichkeit viel lesen zu können, ohne viel Geld investieren zu müssen. Ich habe Unmengen von Büchern, so dass sie jetzt teilweise schon in Kartons im Keller lagern. Wegwerfen kann ich Bücher nicht und verkaufen mag ich sie auch nicht.

Über den Duft eines Buches habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht, aber wenn ich so überlege, hat Papier schon einen eigenen Geruch und Bücher riechen je nach Alter eben anders. Interessant wäre, ob die Papierindustrie bei der Herstellung von Büchern auch Duftstoffe anwendet, die den Kunden zu vermehrten Kaufen anregt.

Wie gesagt, bleibt mir heute nicht mehr so viel Zeit zum Lesen, da einfach andere Dinge wichtiger geworden sind und auch meine Arbeitszeiten länger geworden sind. Aber gerade in der Badewanne lese ich sehr gerne. Meistens verziehe ich mich anschließend mit dem Buch noch auf die Couch, weil es eben gerade so spannend ist. Genau das werde ich auch jetzt machen, denn ich habe nur noch ein paar Seiten in diesem Buch und die will ich heute noch lesen.

_________________
Liebe Grüße
Compumouse
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BeitragThema: Re: Der Duft von Papier   Mo 28 Dez 2009 - 9:41

Einerseits ist da der unwiderstehliche Duft von Büchern, wie Du so schön schreibst (Ich bin auch ein "Bücherwurm") - andererseits entsteht (zumindest bei mir) allmählich ein Platzproblem.

Theoretisch könnte das Herunterladen von Büchern (e-book) die Lösung sein, doch ich befürchte, dass nach und nach die Auswahl immer mehr eingeschränkt ist bzw. dass die e-book-Anbieter sich das Recht vorbehalten, auszusuchen, was sie als e-book zum download anbieten werden und das muss nicht unbedingt das sein, wofür man sich persönlich interessiert.
Auch ist genau das, was Du beschrieben hast das, was diesen e-boks fehlt: Der Duft
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digame



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BeitragThema: Re: Der Duft von Papier   Mo 28 Dez 2009 - 11:15

In großen Buchhandlungen ziehe ich mich am liebsten mit einem Stapel Bücher in die Sitzecke zurück. Meist sind es Sachbücher - vorzugsweise (bebilderte) Kochbücher, die außer über Rezepte auch etwas über Land und Leute erzählen. Sie sind voller Anregungen.

Meine Lieblingsbücher lese ich immer wieder - mein Leben lang - solange sie mir noch etwas zu sagen haben. Rilke ist darunter, Goethes Faust, Balladen, das Buch der Bücher, ... Wie bei Filmen ist es mir bei weitem lieber ein gutes Buch hundertmal zu lesen als ein schlechtes auch nur ein einziges Mal. Und hingesauten Schund gibt es immer mehr. Das Internet macht da seinen Einfluß geltend, das das Schreiben dem Denken voranstellt.

Bücher haben Phasen meines Lebens beeinflußt und mitgestaltet. Sie haben mein Denken und meine Phantasie mitgeprägt. Was ist ein Mensch ohne Bücher? ... ohne Bilder ... ohne Lieder ...

... ohne das Singen der Seele?

Kommunikation und Kontakt zu und mit Menschen sind das andere Standbein.
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BeitragThema: Re: Der Duft von Papier   Di 29 Dez 2009 - 6:47

Was ich total klasse finde ist so eine Aktion in Bonn, da steht mitten in der Stadt auf einem Grünstreifen ein Bücherschrank...dort sind Bücher drin und man kann sich eins mitnehmen, wenn man ein Ausgelesenes hineinstellt...finde ich ne schöne Idee....und sie funktioniert offenbar.
Leider gibts ja aber immer Vandalen die sowas gerne kaputtmachen....wobei in Bonn steht der SChrank schon ne ganze Weile unverwüstet und wird genutzt...
PC
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